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Zeit für mich – oder nur ein weiterer Termin?

Zeit für mich – oder nur ein weiterer Termin?

Warum selbst schöne Dinge Stress machen können

Du gehst zum Sport. Du triffst Freunde. Du fährst Rad, gehst spazieren, machst Yoga oder gönnst dir einen Saunagang. Eigentlich tust du also etwas für dich.

Und trotzdem fühlst du dich danach nicht unbedingt erholter. Manchmal sogar im Gegenteil.

Denn zwischen Arbeit, Haushalt, Familie, Einkaufen und all den anderen Dingen, die erledigt werden müssen, findet auch die vermeintliche Zeit für dich oft nur noch irgendwo dazwischen statt.

Von der Arbeit nach Hause. Schnell umziehen. Noch ins Fitnessstudio. Auf dem Rückweg einkaufen. Zu Hause essen. Morgen ist schließlich auch wieder ein voller Tag.

Was eigentlich guttun soll, wird so schnell zu einem weiteren Punkt auf der Liste.
Noch schnell etwas für mich tun. Und genau da lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Selbstfürsorge kann selbst zur Aufgabe werden

Wir wissen heute ziemlich gut, was uns angeblich alles guttun soll.

Bewegung. Gesundes Essen. Ausreichend Schlaf. Freunde treffen. Entspannung. Zeit draußen verbringen. Meditieren. Pausen machen. Hobbys pflegen.

Das Problem ist nur: All diese guten Dinge brauchen Zeit. Und wenn der Alltag ohnehin schon voll ist, versuchen wir häufig, sie zusätzlich hineinzupacken.

Dann wird aus:
„Ich möchte heute eine Runde laufen.“
schnell:
„Ich muss heute noch laufen gehen.“
Aus:
„Ich freue mich auf Yoga.“
wird:
„Wenn ich mich beeile, schaffe ich den Kurs noch.“
Und aus:
„Ich möchte endlich wieder etwas für mich machen.“
wird ein weiterer Anspruch, dem wir gerecht werden sollen.

Die Aktivität selbst ist dabei nicht das Problem. Sport kann guttun. Freunde können guttun. Yoga kann guttun.

Die Frage ist vielmehr: Wie findet diese Aktivität in deinem Leben statt?

Bist du wirklich dort – oder schon beim nächsten Punkt?

Vielleicht kennst du das:

Du sitzt mit einer Freundin im Café und schaust zwischendurch auf die Uhr.
Beim Spaziergang überlegst du, was du später noch erledigen musst.
Im Fitnessstudio arbeitest du dein Training möglichst effizient ab, weil du danach noch einkaufen musst.
Während der Yogastunde denkst du daran, was morgen auf der Arbeit ansteht.

Dein Körper ist bei einer Sache. Dein Kopf längst bei der nächsten.

Dann hast du dir zwar Zeit genommen. Aber innerlich bist du trotzdem nicht wirklich aus deinem Alltag ausgestiegen. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Zeit für dich bedeutet nicht nur, dass in deinem Kalender eine Aktivität steht, die theoretisch dir gehört.

Es bedeutet auch, dass du diese Zeit tatsächlich erleben kannst.

Wann wird etwas schönes zur Verpflichtung?

Manchmal merken wir gar nicht, dass sich unsere Haltung zu einer Aktivität verändert hat.

Etwas, das früher Freude gemacht hat, bekommt plötzlich einen Leistungscharakter.

Ich sollte häufiger Sport machen.
Ich sollte mehr lesen.
Ich sollte meditieren.
Ich sollte meine Freunde öfter sehen.
Ich sollte mehr rausgehen.
Ich sollte mich besser erholen.

Und irgendwann besteht Selbstfürsorge aus ziemlich vielen Dingen, die wir auch noch richtig machen wollen. Dabei kann ein einfaches Wort helfen, genauer hinzuhören: müssen.

Wie oft denkst du:
„Ich muss noch zum Sport.“
„Ich muss heute noch raus.“
„Ich muss mir endlich mal wieder Zeit für mich nehmen.“

Das heißt nicht automatisch, dass du diese Dinge nicht machen solltest.

Aber vielleicht lohnt sich die Frage:

Warum mache ich das gerade?
Weil ich wirklich Lust darauf habe?
Weil ich merke, dass es mir guttut?
Oder weil ich glaube, dass ein gesunder, ausgeglichener Mensch das eben tun sollte?

Mehr Freizeit ist nicht automatisch mehr Erholung

Wir denken häufig, Erholung sei vor allem eine Frage der Zeit.

Wenn ich nur zwei Stunden frei hätte.
Wenn ich endlich Wochenende hätte.
Wenn ich Urlaub hätte.
Wenn die Kinder beschäftigt wären.
Wenn die Arbeit ruhiger wäre.

Natürlich spielt Zeit eine Rolle. Aber freie Zeit allein sorgt noch nicht dafür, dass wir innerlich zur Ruhe kommen.

Du kannst zwei Stunden frei haben und sie vollständig damit verbringen, darüber nachzudenken, was du eigentlich noch erledigen solltest.

Du kannst einen freien Nachmittag so voll mit schönen Dingen planen, dass du am Abend erschöpft bist.

Und du kannst zwanzig Minuten haben, in denen du wirklich anwesend bist und zum ersten Mal an diesem Tag merkst: Eigentlich bin ich gerade müde.

Oder:
Ich brauche gerade gar keine Beschäftigung.

Oder:
Ich hätte jetzt wirklich Lust, einfach auf dem Sofa zu sitzen.

Erholung beginnt deshalb nicht immer damit, etwas Bestimmtes zu tun.
Manchmal beginnt sie damit, überhaupt wahrzunehmen, was du gerade brauchst.

Weißt du eigentlich, was du gerade brauchst?

Das klingt nach einer einfachen Frage. Ist es aber häufig gar nicht.

Viele Menschen sind sehr gut darin zu wissen, was als Nächstes erledigt werden muss.

Sie wissen, wann der nächste Termin ist.
Was noch eingekauft werden muss.
Wer wo abgeholt werden muss.
Welche Aufgabe auf der Arbeit wartet.
Was zu Hause fehlt.

Aber wenn die Frage lautet: Was brauchst du gerade? wird es manchmal überraschend still.

Vielleicht Durst.
Vielleicht Essen.
Vielleicht Ruhe.
Vielleicht Bewegung.
Vielleicht jemanden zum Reden.
Vielleicht zehn Minuten allein.
Vielleicht eine Pause vom Bildschirm.
Vielleicht aber auch einfach gar nichts.

Diese kleinen Signale nehmen wir im Alltag leicht wahr – und übergehen sie genauso schnell.

Du merkst, dass du Durst hast, arbeitest aber noch eine Stunde weiter.
Du bist müde, erledigst aber erst noch drei Dinge.
Du möchtest eigentlich Ruhe, beantwortest aber noch schnell Nachrichten.

Das sind keine großen Dramen. Aber genau solche kleinen Situationen zeigen, wie gut wir momentan mit uns selbst in Kontakt sind.

Selbstfürsorge beginnt oft viel kleiner

Wenn wir an Selbstfürsorge denken, denken wir schnell an besondere Aktivitäten.

Wellness.
Sport.
Meditation.
Urlaub.
Ein freier Nachmittag.

Aber vielleicht beginnt Selbstfürsorge viel früher.

Mit einem Glas Wasser, wenn du Durst hast.
Mit Essen, bevor du völlig ausgehungert bist.
Mit einer Pause, bevor du gereizt wirst.
Mit einem Nein, obwohl du theoretisch noch Zeit hättest.
Mit zwanzig Minuten ohne Produktivität.
Mit dem Entschluss, heute nicht mehr alles zu schaffen.

Das klingt unspektakulär. Und genau deshalb übersehen wir es so leicht.

Mentale Gesundheit wird nicht nur in großen Entscheidungen gepflegt.

Sie entsteht auch in vielen kleinen Momenten, in denen du wahrnimmst:
Wie geht es mir gerade – und was mache ich mit dieser Information?

Nicht jede freie Minute muss sinnvoll genutzt werden

Auch Freizeit kann sehr effizient werden. Eine Stunde frei?

Dann könnte man Sport machen.
Oder die Wohnung aufräumen.
Oder jemanden treffen.
Oder etwas lernen.
Oder endlich das Buch weiterlesen.
Oder Meal Prep machen.
Oder die Steuer anfangen.
Oder wenigstens spazieren gehen.

Und plötzlich braucht selbst eine freie Stunde eine Begründung.

Dabei darf Zeit auch einfach ungenutzt wirken.

Du musst nicht aus jedem freien Moment etwas machen. Manchmal liegt genau darin die Erholung:
Es muss gerade nichts passieren.

Das kann für Menschen, die viel Verantwortung tragen oder einen sehr vollen Alltag gewohnt sind, zunächst ungewohnt sein. Vielleicht sogar unangenehm.

Denn wenn es ruhig wird, merken wir manchmal erst, wie angespannt wir eigentlich waren. Nicht jede freie Minute muss sinnvoll genutzt werden.

Auch schöne Dinge dürfen ausfallen

Vielleicht hilft dir Bewegung normalerweise.
Heute möchtest du aber einfach nicht.

Vielleicht liebst du Treffen mit Freunden.
Diese Woche brauchst du trotzdem einen Abend allein.

Vielleicht ist Yoga normalerweise genau dein Ding.
Heute fühlt sich das Sofa richtiger an.

Mentale Gesundheit bedeutet nicht, eine perfekte Selbstfürsorge-Routine einzuhalten.

Sie bedeutet auch, flexibel wahrnehmen zu können, was heute anders ist als gestern.

Etwas kann grundsätzlich guttun und trotzdem heute nicht das Richtige sein.

Das ist keine Inkonsequenz. Es ist Selbstwahrnehmung.

Drei Fragen, bevor du noch etwas in deinen Tag packst

Wenn du merkst, dass du gerade wieder versuchst, etwas Schönes irgendwo zwischen zwei Termine zu quetschen, kannst du kurz innehalten.

Frag dich:

1. Will ich das gerade wirklich?
Oder mache ich es, weil ich glaube, dass ich es machen sollte?

2. Wie möchte ich mich danach fühlen?
Ruhiger?
Lebendiger?
Verbunden?
Klarer?
Und passt das, was ich gerade plane, tatsächlich dazu?

3. Brauche ich gerade eine Aktivität – oder brauche ich Raum?
Manchmal ist Sport die richtige Antwort.
Manchmal ein Gespräch.
Manchmal ein Spaziergang.

Und manchmal ist die beste Entscheidung, eine Stunde lang gar nichts vorzuhaben.

Zeit für dich braucht manchmal Platz – nicht noch mehr Inhalt

Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied:
Zeit für dich muss nicht immer gefüllt werden.

Es geht nicht darum, noch mehr gesunde Aktivitäten in einen ohnehin vollen Alltag zu bekommen.

Es geht darum, wieder bewusster wahrzunehmen:

Was tut mir gerade wirklich gut?
Was mache ich gern?
Was mache ich nur noch aus Gewohnheit oder Pflichtgefühl?
Wo brauche ich weniger?
Wo brauche ich mehr?
Und was darf heute einfach einmal liegen bleiben?

Denn selbst schöne Dinge können anstrengend werden, wenn wir sie nur noch zwischen alles andere quetschen.

Zeit für dich beginnt deshalb vielleicht nicht mit der Frage:
Was sollte ich heute noch für mich tun?

Sondern mit einer anderen:
Was brauche ich gerade wirklich?

Ein kleiner Selbstcheck für deinen Alltag

Nimm dir ein paar Minuten und vervollständige spontan diese Sätze:

Im Moment habe ich häufig das Gefühl, dass ich noch schnell …
Eine Sache, die mir eigentlich guttut, sich aber zunehmend wie eine Pflicht anfühlt, ist …
Wenn ich wirklich auf meinen Körper hören würde, bräuchte ich häufiger …
Etwas, das ich momentan weniger brauche, ist …
Etwas, das ich gern wieder bewusster erleben möchte, ist …
Eine freie Stunde würde ich gerade am liebsten verbringen mit …

Und dann die vielleicht wichtigste Frage:
Würde ich mir erlauben, genau das zu tun, wenn niemand beurteilen würde, ob ich meine Zeit sinnvoll genutzt habe?

Mental gesund bleiben heißt auch, dich selbst im Alltag nicht zu übergehen

Du musst deine Freizeit nicht perfektionieren. Du musst nicht jeden Tag Sport machen, meditieren, gesund kochen, Freunde treffen und dabei noch vollkommen entspannt sein.

Vielleicht ist ein guter Anfang viel einfacher:
Früher merken, was du brauchst.
Weniger automatisch über deine eigenen Signale hinweggehen.
Und den Dingen, die dir wirklich guttun, auch den Raum geben, in dem sie tatsächlich guttun können.

Denn Zeit für dich sollte sich nicht wie der nächste Termin anfühlen.

Du möchtest genauer herausfinden, was dir eigentlich guttut?

In meinen Workbooks beschäftigst du dich Schritt für Schritt mit verschiedenen Bereichen mentalen Wohlbefindens – von positiven Emotionen und persönlichen Stärken über Beziehungen und Sinn bis hin zu Zielen und Entwicklung.

Du kannst selbstständig in deinem eigenen Tempo arbeiten oder dein Workbook mit einer persönlichen Online-Begleitung verbinden.

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