Mental gesund bleiben
Mental gesund bleiben: Du musst nicht immer gut drauf sein
Warum du nicht immer gut drauf sein musst
Mentale Gesundheit bedeutet nicht, jeden Tag ausgeglichen zu sein. Sie bedeutet auch nicht, immer positiv zu denken, gut gelaunt zu sein oder jede schwierige Situation souverän wegzustecken. Zum Leben gehören genauso Tage, an denen wir müde, gereizt, traurig, überfordert oder unsicher sind.
Mental gesund zu bleiben bedeutet deshalb nicht, unangenehme Gefühle möglichst schnell loszuwerden. Es bedeutet vielmehr, wahrzunehmen, wie es einem geht, mit Belastungen umgehen zu können und rechtzeitig zu erkennen, wenn etwas dauerhaft aus dem Gleichgewicht gerätGenau darin liegt ein wichtiger Unterschied.
Was bedeutet mentale Gesundheit eigentlich?
Wenn wir über Gesundheit sprechen, denken viele zuerst an Bewegung, Ernährung, Schlaf oder körperliche Vorsorge. All das ist wichtig. Aber zu unserer Gesundheit gehört genauso, wie wir uns in unserem Leben fühlen.
Wie viel innere Ruhe erleben wir?
Wie gut können wir mit Belastungen umgehen?
Haben wir Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen?
Erleben wir Freude, Interesse oder Sinn?
Und haben wir das Gefühl, unser eigenes Leben noch aktiv mitzugestalten?
Mentale Gesundheit ist deshalb weit mehr als die Abwesenheit einer psychischen Erkrankung.
Mentale Gesundheit beschreibt unsere Fähigkeit, mit den Anforderungen des Lebens umzugehen, Beziehungen zu gestalten, Gefühle wahrzunehmen und immer wieder ein inneres Gleichgewicht zu finden.
Dieses Gleichgewicht ist allerdings nicht jeden Tag gleich. Und das muss es auch nicht sein.
Mental gesund bedeutet nicht dauerhaft glücklich
Die Vorstellung, ein mental gesunder Mensch müsse grundsätzlich zufrieden, ruhig und positiv sein, kann sogar zusätzlichen Druck erzeugen. Denn dann entsteht schnell ein weiterer Anspruch:
Ich sollte mich doch eigentlich gut fühlen.
Dabei gibt es vollkommen normale Gründe, warum wir uns zeitweise nicht gut fühlen.
Vielleicht gibt es gerade Konflikte.
Vielleicht schlafen wir schlecht.
Vielleicht stehen viele Entscheidungen an.
Vielleicht haben wir zu viel Verantwortung übernommen.
Oder wir merken einfach, dass etwas in unserem Leben nicht mehr so richtig zu uns passt. Traurigkeit, Frust, Unsicherheit oder Erschöpfung sind zunächst einmal menschliche Reaktionen.
Entscheidend ist weniger, ob solche Gefühle auftauchen. Viel wichtiger ist die Frage:
Wie gehen wir mit ihnen um?
Gefühle sind keine Störung, die beseitigt werden muss
Unangenehme Gefühle haben häufig eine Funktion.
Ärger kann zeigen, dass eine Grenze überschritten wurde.
Unruhe kann darauf hinweisen, dass wir dauerhaft unter Spannung stehen.
Traurigkeit kann mit Verlust oder Veränderung verbunden sein.
Überforderung kann ein Hinweis darauf sein, dass unsere Anforderungen gerade größer sind als unsere verfügbaren Ressourcen.
Wenn wir jedes unangenehme Gefühl möglichst schnell wegdrücken, ablenken oder „positiv denken“ wollen, übersehen wir möglicherweise genau die Information, die darin steckt.
Mental gesund zu bleiben bedeutet deshalb auch, sich selbst zuzuhören. Nicht jedes Gefühl muss sofort analysiert werden. Aber manchmal lohnt es sich, einen Moment länger hinzusehen.
Oft funktioniert der Alltag trotzdem
Eine der größten Schwierigkeiten besteht darin, dass mentale Belastung nicht immer offensichtlich ist. Viele Menschen funktionieren lange sehr gut.
Sie arbeiten.
Sie kümmern sich um ihre Familie.
Sie gehen zum Sport.
Sie treffen Freunde.
Sie erledigen ihre Aufgaben.
Von außen wirkt alles vollkommen normal. Und trotzdem kann sich innerlich etwas verändern.
Vielleicht wird die Geduld kürzer.
Vielleicht kreisen die Gedanken häufiger.
Vielleicht fällt Abschalten zunehmend schwer.
Vielleicht fühlt sich selbst Freizeit nicht mehr wirklich erholsam an.
Oder Dinge, die früher Freude gemacht haben, werden zunehmend zu weiteren Punkten auf der To-do-Liste (hier zum Blogbeitrag zu diesem Thema). Solche Veränderungen müssen nicht bedeuten, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt. Aber sie können ein guter Grund sein, genauer hinzusehen.
Mentale Gesundheit beginnt oft mit Wahrnehmen
Wir sind im Alltag häufig sehr gut darin, nach außen zu schauen.
Was steht heute an?
Was muss erledigt werden?
Wer braucht etwas von mir?
Was darf ich nicht vergessen?
Was kommt als Nächstes?
Die Frage, wie es uns selbst eigentlich gerade geht, rutscht dabei schnell nach hinten. Dabei beginnt Prävention häufig genau dort. Nicht erst bei einer großen Krise. Sondern bei kleinen Beobachtungen. Zum Beispiel:
Bin ich in letzter Zeit häufiger angespannt?
Kann ich noch wirklich abschalten?
Freue ich mich auf Dinge oder erledige ich hauptsächlich?
Habe ich ausreichend Zeit, in der nichts von mir verlangt wird?
Fühlt sich mein Alltag noch nach meinem eigenen Leben an?
Gibt es etwas, das mich schon länger beschäftigt?
Was brauche ich gerade eigentlich?
Es geht dabei nicht darum, ständig die eigene Stimmung zu kontrollieren.
Es geht darum, den Kontakt zu sich selbst nicht vollständig zu verlieren.
Was uns mental stabil halten kann
Die Forschung zur positiven Psychologie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welche Faktoren zu psychischem Wohlbefinden beitragen. Ein bekanntes Modell ist das PERMA-Modell des Psychologen Martin Seligman (hier zum Blogbeitrag zu diesem Thema). Dabei stehen fünf Bereiche im Mittelpunkt:
Positive Emotionen
Momente von Freude, Dankbarkeit, Interesse, Ruhe oder Genuss.
Engagement
Tätigkeiten, in denen wir aufgehen und unsere Stärken einsetzen können.
Relationships – Beziehungen
Menschen, mit denen wir uns verbunden, gesehen und unterstützt fühlen.
Meaning – Sinn
Das Gefühl, dass das eigene Handeln Bedeutung hat oder Teil von etwas Größerem ist.
Accomplishment – Zielerreichung
Das Erleben, etwas geschafft, gelernt oder entwickelt zu haben.
Keiner dieser Bereiche muss jederzeit perfekt erfüllt sein. Aber gemeinsam können sie eine gute Orientierung geben. Wenn wir merken, dass beispielsweise Freude, Verbundenheit oder Sinn über längere Zeit kaum noch vorkommen, kann es hilfreich sein, bewusst hinzuschauen
Auch ein gesunder Lebensstil kann nicht alles ausgleichen
Bewegung, ausreichend Schlaf, frische Luft und eine gute Ernährung können unsere mentale Gesundheit unterstützen. Sie sind extrem wertvolle Bausteine. Aber sie können nicht jede Belastung kompensieren.
Regelmäßiger Sport gleicht nicht automatisch einen Alltag aus, der dauerhaft überfordert.
Gesunde Ernährung ersetzt keine tragfähigen Beziehungen.
Und eine Yogastunde kann zwar helfen, zur Ruhe zu kommen – sie löst aber nicht unbedingt ein Leben, in dem kaum noch Raum für die eigenen Bedürfnisse vorhanden ist.
Deshalb lohnt es sich, Gesundheit umfassender zu betrachten.
Nicht nur: Was tue ich für meinen Körper?
Sondern auch: Wie geht es mir eigentlich in meinem Leben?
Du musst nicht erst warten, bis es dir schlecht geht
Viele Menschen beschäftigen sich erst intensiver mit ihrer mentalen Gesundheit, wenn die Belastung bereits deutlich geworden ist. Dabei darf man auch früher hinschauen.
Vielleicht gibt es gar kein großes Problem. Vielleicht funktioniert dein Leben grundsätzlich gut.
Und trotzdem gibt es Bereiche, bei denen du merkst:
Hier wünsche ich mir etwas mehr Ruhe.
Mehr Freude.
Mehr Klarheit.
Mehr Verbindung.
Oder einfach wieder ein besseres Gespür dafür, was mir eigentlich guttut.
Mentale Gesundheit zu stärken bedeutet nicht automatisch, dass etwas repariert werden muss.
Es kann genauso bedeuten, etwas Gutes bewusst zu erhalten.
Eine kleine Frage für deinen Alltag
Vielleicht musst du heute gar nichts verändern. Aber du könntest dir eine Frage stellen:
Wie geht es mir eigentlich gerade – nicht auf dem Papier, sondern wirklich?
Und vielleicht noch eine zweite:
Was würde mir in meinem jetzigen Alltag ein kleines Stück guttun?
Manchmal beginnt mentale Gesundheit nicht mit einer großen Entscheidung. Sondern damit, sich selbst wieder etwas genauer wahrzunehmen. Denn es ist immer sinnvoll, genauer hinzusehen, bevor aus einem leisen Unbehagen etwas Größeres wird.
